Die Brennnessel-Nacht

Feuer nah

 

Die Brennnessel-Nacht

Von Birgit Brinkmann

(Irgendwann in nächster Zeit …)

Er schaute aus dem Fenster seines 5.3, lehnte sich zurück und konnte endlich entspannen. Die A2 war wie immer voll, so dass er sich schnell in die Kolonne einloggen konnte, die sich auf dem Weg Richtung Dortmund befand. Ein Blick auf die Akkuanzeige und er atmete erleichtert auf. Es war eine wirklich geniale Einrichtung, dass die Gemeinschaft der aneinandergekoppelten Elektrofahrzeuge automatisch dem schwächsten Akku Saft für 10 km Weg einspeisten. In Deckbergen, seinem Endziel,  angekommen, konnte er dann den Akku komplett auffüllen.

Abfahrt Rehren! Was schon? Die Zeit raste nur so um ihn herum, seit er diese Frau getroffen hatte. Und gleich würden sie sich das Haus teilen! Sie hatten sich beim Zukunftsmarkt in Hannover getroffen und waren in einer kleinen Gesprächsrunde nach dem Hauptvortrag aufeinander getroffen. Sein Freund Michael kannte sie offensichtlich mal wieder schon länger – und war lachend und aneinander knuffend – mit ihr ins Gespräch vertieft, als er sich zur Gruppe gesellte. Ihn traf diese Frau wie ein Hammerschlag! Die Art, wie sie ihre langen dunkelblonden Haare zurückwarf. Ihr helles, mädchenhaftes  Lachen, aber der eigentliche Hammerschlag war ihr Blick gewesen. Dieser Blick, der ihn töten wollte, als er in die Diskussion einwarf, dass man Tierschützer grundsätzlich vergessen kann. Puh, er spürte diesen Blick immer noch und das ging durch Mark und Bein!!!

Sie war kurz nach ihrer Begegnung in der Menge verschwunden und er sah sie mal hier und mal da mit anderen sprechen. Offensichtlich hatte sie mit fast jedem hier etwas Wichtiges zu besprechen. Er musste sie wieder treffen! Und nahm Michael an die Seite.

„Wer ist das?“ Er musste sie erst im Gedränge suchen, um auf sie deuten zu können, aber sein Freund wusste sofort wen er meinte und nickte mit dem Kopf.

„Feuer gefangen?“ grinste Michael.

„ Die haut einen glatt um!“ Bestätigte Lars, „ welches Lasso muss ich auswerfen?“

„Eins aus Nesselfaser!“  Er grinste noch breiter, wenn das überhaupt noch möglich war.

„Brennnesseln?“ Sein Kopf leerte sich schlagartig!

„Ganz genau! Sie hat den Auftrag die Brennnessel als Kulturpflanze gesellschaftsfähig zu machen. Von ganz oben!“

„Ministerium?“

„Ministerium für Nachhaltigkeit, so ist es!“ Michael wurde ernst. „Ja, da gibt es eine Menge wieder gut zu machen. Sie soll das Image der Brennnessel aufpolieren. Die Regierung hat einiges vor: Sie wollen großflächig den Agroforst vorantreiben. Also die reinen Forstwälder umwandeln und Baumreihen mit größerem Abstand mit Kulturpflanzen unterpflanzen. Die Brennnessel als Schattengewächs ist für dieses Vorhaben geradezu perfekt. Sie soll zukünftig nicht nur als Biogasgrundlage, pflanzlicher Dünger und Dämmmaterial genutzt werden, sondern auch stärker als Faserpflanze und Nahrungsgrundlage. In Deckbergen lebt eine Frau, die sich schon seit 2010 dafür stark macht. Die will sie demnächst besuchen. Übrigens ganz in der Nähe deiner Landwirte…“

„Bei Kohlenstädt?“

„Ja, ihr könnt euch ja gemeinsam in Brennhilds Genießerhaus einquartieren. Soweit ich weiß, gibt es dort 2 Zimmer. Deine Flamme heißt übrigens Anke! Frag sie doch einfach!“

„Kannst du nicht …? Ich glaub, ich hab sie auf dem falschen Fuß erwischt!“

Es hatte geklappt und nun war er auf dem Weg zu Brennhilds Genießerhaus. Anke war schon früher da. Sie hatte sich bereits am frühen Vormittag mit Birgit Brinkmann verabredet. Die Frau wollte sie  ganz praktisch bei einem gemeinsamen Frühstück ins Thema einstimmen. Danach hatten sie einen Wohnungstausch verabredet.  Als er ankam war die Frau schon auf dem Sprung in den 5.3 von Anke. Er winkte ihr noch mit hinterher.

„Sie freut sich schon auf ein paar Tage in meinem Zimmer in Hannover. Sie hat viel vor: jede Menge Gespräche mit den unterschiedlichsten Akteuren der Nachhaltigkeitsszene, ihren Sohn besuchen, Freunde treffen, urbane Luft schnuppern ….“ Sie verstummte und ihr wurde scheinbar gerade klar, dass sie die nächsten Tage mit ihm in diesem Haus verbringen würde. Michael hatte mal wieder erfolgreich getrickst. Nachdem sie erfahren hatte, dass dieser Lars nicht grundsätzlich gegen Tierschutz ist, sondern nur gerade nach einer gemeinsamen Aktion mit allzu militanten Tierschützern enttäuscht worden war, war ihr erster Zorn auf ihn verlogen. Er schien ja doch ganz nett zu sein!

Sein Blick fiel auf den roten, kleinen Wagen vor der Garage. „Was so eine Dreckschleuder gibt es noch?“

Anke lachte. „Tja, auf dem Land ticken die Uhren etwas anders …!“

„Werden wir damit unterwegs sein?“

„Kannst du nur Automatiks fahren?“ Fragte sie spöttisch.

„Und wenn?“

„Dann muss ich dich wohl chauffieren! Komm erst mal rein!“ Sie verschwand in Richtung Häuschen, aus dessen Vorgarten sich eine blütenreiche Ansammlung von wild anmutenden Pflanzen auf den mit Schottersteinen aufgeschütteten Straßenrand ergoss. Er folgte ihr wie ein kleines Hündchen.

„Wow, so hatte ich mir das Innere des Hauses gar nicht vorgestellt!“ Er staunte nicht schlecht, als er sich drinnen umsah. Gefühlt war dieses Haus riesig. Die Tür zum Wohnzimmer war geöffnet und man konnte direkt bis zur Terrasse sehen. Die weißen Wände ließen die Räume hell und licht erscheinen.  Die schwarzen Ledermöbel und der Schwarze Kaminofen dominierten das Wohnzimmer, aber durch den hellen Holzfußboden wirkte alles trotzdem freundlich. Unterstützt wurde dieser freundliche Eindruck auch durch sparsam eingesetzte farbliche Akzente. Es gefiel ihm. Das Farbkonzept setzte sich in den angrenzenden Räumen fort. Die untere Etage war praktisch fast ein einziger Raum.

Er ließ seine Tasche neben den zu einer Liegefläche zusammengestellten Lederliegen fallen. Die Liege stand dem Fernseher gegenüber und darauf befand sich, neben dezenten gelben und roten Kissen und Decken, ein riesiges schwarzes Kissen. Das musste er sofort ausprobieren. Er sank in das Kissen und spürte, wie sich die kleinen Kügelchen im Inneren des  Sackes unter ihm verteilten.

„Wie in Abrahams Schoß! Genial!“ Nach einer kurzen Entspannungsphase wollte er wieder raus aus dem Sack und merkte, dass er in der Falle saß.

„Kannst du mir hier wieder raus helfen? Ich fürchte ich bin gefangen!“ Hilfesuchend streckte er beide Hände nach ihr aus.

„Das hättest du wohl gern! Das schaffst du schon allein!“ Sie ging lachend in die Küche und konnte glücklicherweise nicht sehen,  wie er sich mit den Füßen strampelnd langsam aus der Umklammerung des Kissens befreien konnte.

„Übrigens, könntest du noch etwas Holz hacken? Birgit meinte, wenn sie schon mal einen starken jungen Mann im Haus hat …“ Sie lachte wieder.

„Dieser Aufenthalt wird anstrengender als ich dachte!“ lachte er zurück. Er schnappte sich seine Tasche und machte sich auf den Weg in die obere Etage.

“Ich habe das Zimmer links!“ Tönte es aus der Küche.

Also sollte er das Zimmer auf der rechten Seite beziehen. Die obere Etage des Hauses bestand aus 2 gleichgroßen Zimmern, dazwischen lag das Bad. Im Zimmer links war fast alles mit weißen Möbeln bestückt. Holz, weiß und viel Grün. Auch pflanzliches Grün. In tiefem Rot blühende Fleißige Ließchen auf der Fensterbank, man konnte fast den gezeichneten Vogel zwitschern hören, der aus einem weißen Holzrahmen blau-gelb vom Regal leuchtete.

Also rechts. Sein Zimmer war wieder im Farbkonzept von unten: schwarzer Schrank, schwarze Regale und Fensterrahmen, aus dem man auf die Loggia schaute, auf der zwischen Kräutern und Blumen bestückten schwarzen Kübeln eine schwarze Liege stand. Sein Blick wanderte weiter über das Wesertal. Nicht schlecht. Am meisten begeisterten ihn aber die großen, breiten Betten, die in beiden Räumen standen. Die Bettdecken waren riesig! Seine Laune verbesserte sich schlagartig! Er stellte seine Tasche ab und hüpfte die Treppen herunter.

„Birgit hat uns ein Brennnesselmenü vorbereitet. Sogar Brennnesselwein gibt es! Kümmerst du dich ums Holz?“

Ach ja, das Holz. Na gut!

„Bis gleich!“ Voller Tatendrang ging er hinaus auf die Terrasse auf der ihm der angenehme, typisch rosenartig-frische  Duft der weißen Rose „Eisberg“ entgegenschlug. Eine gewundene Treppe führte in den unteren Teil des am Hang gelegenen Grundstückes. Am Ende stand in einer Ecke ein alter Holzpavillon, daneben stapelte sich ungehacktes und gehacktes Holz. Dazwischen stand ein Hackeklotz, der auf der Schnittfläche schon total zerhackt war. Na, das konnte ja heiter werden. Er sah sich im Pavillon um, in dem sich die verschiedensten Gartengeräte befanden. Ein heilloses Durcheinander! Er suchte nach einer Säge um die Klotzoberfläche wieder zu begradigen und fand eine Axt.

„Na, ich probier´s mal.“ Dachte er.

Sie hörte ihn fluchen. Erst leise, dann immer lauter. Dann beschloss sie sich das Spektakel aus der Nähe anzusehen. Von der Terrasse aus sah sie ihn im Kampf mit den Holzstücken. Er platzierte geduldig immer wieder ein Holzstück auf dem Hackklotz, holte mit der Axt aus und schlug ins Leere. Im letzten Moment fiel das Holz immer wieder von der offensichtlich ziemlich unebenen Fläche des hohen Klotzes. Nach vielen vergeblichen Versuchen stellte er den alten Hackklotz zur Seite und stapelte zwei der dicksten Holzstücke, die er finden konnte, zu einem neuen Hackklotz auf. Ein neuer Versuch. Diesmal hüpften nun die insgesamt 3 Holzstücke gemeinsam in die Höhe.

Er zog sich das Hemd aus und sie beschloss ihn zu retten. Sie machte sich auf den Weg zu ihm. Während er die Klotzturmimprovisation wieder wegräumte, sah sie fasziniert dem Muskelspiel auf seinem glänzenden Rücken zu.

„Soll ich schon mal die Nummer vom Notarzt heraussuchen?“ fragte sie besorgt, mit einem ironischen Unterton.

„Ich finde keine Säge!“ Stöhnte er.

„Ich schau mal!“ tröstete sie und ging in Richtung Pavillon. Nach wenigen Augenblicken kam sie stolz mit der Säge heraus. Ihre hochgezogenen Augenbrauen sagten: Männer! Aber sie sagte nichts.

„Soll ich dir helfen? Oder soll ich schon mal das Brennnesselkleid anziehen?“ fragte sie mit so einem bestimmten Klang in der Stimme.

„Das Brennnesselkleid?“ fragte er verständnislos.

„Die Brennnesselfaser ist die einzige pflanzliche Faser, die kühlt, bzw. wärmt, je nachdem wie man sie vor dem Weben vorbehandelt.  Birgit Brinkmann hat es für 1300 Euro extra anfertigen lassen. Es ist ein Prototyp. Und ich darf heute Abend den Tragekomfort testen.“ Klärte sie ihn auf.

„Und wärmt es oder kühlt es?“ Fragte er interessiert.

„Dieses  kann beides, je nachdem welche Seite der Haut zugewandt ist. Ich denke ich probier´s mal mit der wärmenden Seite  es wird ja langsam kühl.“  Antwortete sie, sichtlich gespannt das mal auszuprobieren. „Ich freu mich schon auf´s Kaminfeuer!“

„Ich komme jetzt allein klar. Bin gleich bei dir!“ grinste er voller Tatendrang.

Nur wenige gefühlte Augenblicke später trafen sie sich unten im Wohnzimmer wieder. Er hatte noch nasse Haare von der Dusche auf denen sich das flackernde Feuer spiegelte, das er gerade entfachte.

„Na, wie gefällt´s dir?“ Sie drehte sich vor ihm um die eigene Achse, damit er sie von allen Seiten betrachten konnte.

Er stand auf, ging ein paar Schritte auf sie zu und sah in ihr sommersprossiges Gesicht. Dann sah er hinab auf ihr sommersprossiges Dekolleté, das enganliegende schwarz -graumelierte Kleid, weiter runter  bis zu ihren sonnengebräunten schlanken Beinen, wieder nach oben und begann:

„Hast du das Sternensystem auf deinem Körper? Ich glaube, ich sehe da den großen Wagen… „ Er ließ seinen Zeigefinger in Richtung Ausschnitt wandern, doch sie wich lachend zurück.

„Den großen Wagen hab ich auf dem linken kleinen Finger!“  Sie hielt ihm ihren kleinen Finger vor die Nase und er konnte tatsächlich das bekannte Sternzeichen darauf ausmachen.

„Komm setz dich, wir können essen.“

Er setzte sich auf den Stuhl neben dem Fenster, von dem er Küche und Wohnzimmer gut im Blick behielt. Sie kam näher und pflückte weiße Blüten von den Eisbegonien auf der Fensterbank  hinter ihm und er konnte ihren Atem in seinem noch leicht feuchten Nacken spüren.

„Birgit hat sich ausdrücklich gewünscht, dass ich auch noch mit frisch gepflückten Blüten dekoriere! Die essbaren Blüten sollen uns daran erinnern, dass das Essen direkt aus der Natur, trotz aller menschlich gemachten kulinarischen Raffinessen, immer noch das Beste ist!  Da hat sie Recht, in der Stadt hat man nur wenig Gelegenheit dazu. Hast du schon mal Eisbegonienblüten probiert?“

„Nein, definitiv nicht!“ Antwortete er fast mechanisch. Seine Augen schauten ins Leere.

Er kam langsam wieder zu sich als sie ihm Wein einschenkte.

„Wirklich toll, dass du auch hier zu tun hast! Das ist übrigens Brennnesselwein. Prost“

„Auf dein Wohl! Brennnesselwein?“ Er nippte vorsichtig mit geschürzten Lippen, als wenn er fürchtete, dass ihn gleich etwas stechen würde. „ Mhhh, gut! Wird der Wein mit Brennnesseln aromatisiert?“

„Nein, in diesem Wein ist kein Tropfen echter Wein. Er wird ausschließlich aus den frischen Blättern der großen Brennnessel vergoren. Und natürlich mit Zucker und ein paar Gewürzen. Schmeckt unglaublich oder?“ Sie sah ihn erwartungsvoll an.

„Schmeckt nach mehr! Und im Landkreis Schaumburg werden jetzt tatsächlich Brennnesseln als Kulturpflanzen angebaut?“ Fragte er ungläubig. „Michael hat mir schon von dem Agroforstprojekt erzählt.

Ja, es hat ewig gedauert, aber jetzt sind die Schaumburger ganz Feuer und Flamme! Brennnesseln sind total eiweißreich. Eine unserer wichtigsten Eiweißpflanzen in Deutschland. Aber vor der Kulturrevolution 2016 wurden ja nur die Interessen der Saatgutlobby bedient und einjährige Kulturpflanzen gefördert. Das wird nun anders. Im Fall der Brennnessel ist allerdings noch einiges zu tun. Es gibt eigentlich nur negative Assoziationen mit dem Begriff Nessel.  Gerade deshalb macht es mir so einen  Spaß! Ich liebe es alte Gewohnheiten in Frage zu stellen. Aber lass uns doch mal probieren!“

Er schaute auf den Teller, der vor ihm stand. Darauf eine Auswahl von verschiedenen kleinen Amuse Gueules . Unter anderem eine Eihälfte mit etwas, das aussah wie grüner Kaviar . Darauf thronten ein Miniblättchen und die weiße Eisbegonienblüte, die Anke gerade gepflückt hatte.  Sah alles köstlich aus.

„Wusstest du beispielsweise, dass es im Mittelalter für Mönche verboten war zu viele Brennnesselsamen zu essen? Sie galten zu Recht als Aphrodisiakum, die Brennnessel ist wirklich sehr eiweißreich!“  Sie lächelte ihn an. Er lächelte zurück. Dann schob er sich das garnierte Ei in den Mund. „Schmeckt echt wie Kaviar. Super. Und was ist das?“ Er zeigte auf ein anderes Häppchen.

„Das ist Lachs in der Brennnesselsamenpanade mit Brennnesselremoulade. Das Tolle an der Remoulade ist, dass sie ohne Eizusatz, nur durch das Eiweiss aus Brennnesselschaum hergestellt wird. Toll, ne?“ Ihre Begeisterung schwappte langsam zu ihm herüber.

„Kaum zu glauben!“  Es knusperte zwischen seinen Zähnen und er war wirklich hin und weg. Schweigend genossen sie das köstliche Brennnesselmenü.

„Ich verstehe nicht, warum es so schwierig ist so etwas zu vermarkten.“ Sagte er verständnislos als sie sich mit dem Wein vor den Kaminofen ins Wohnzimmer setzten.

„Selbst wenn man Gastronomen und Hersteller gefunden hat die sich dafür interessieren, muss man erst noch Landwirte dafür begeistern. Die sind seit einem gescheiterten Projekt mit Fasernesseln sehr skeptisch: Man hatte damals die Idee zur Fußballweltmeisterschaft 2006 die Nationalmannschaft mit Nesselstofftrikots einzukleiden. Das Projekt lief super an. Man konnte viele Landwirte begeistern, die bereit waren die Fasernessel anzubauen. Dafür wurden von Hand Jungpflanzen einer speziellen Sorte von urtica dioica angepflanzt. Dann mussten die Felder erst einmal ein Jahr lang einwachsen, bevor sie geerntet werden konnten. Und als es dann endlich soweit war, war der Geschäftsführer mit der Kasse durchgebrannt.  Niemand ist in die Bresche gesprungen. Die Brennnesseln wurden totgespritzt und untergepflügt.  Einige der Landwirte mussten Insolvenz anmelden. Ein trauriges Beispiel für die Sichtweise vor der Kulturrevolution!“

„Man hätte die Felder  für Brennnesselhäppchen stehen lassen können!“ Grinste Lars.

„Klar, das hätte man gut machen können!“

„ Aber daran hat damals wohl niemand gedacht“ grübelte er.

„Die Ernährungsgewohnheiten von Menschen sind aber auch unheimlich festgefahren. Ich werde mir schon einiges einfallen lassen müssen um sie zu überzeugen.“ Seufzte Anke. „Typisch für Menschen! Denk nur an unsere Kulturrevolution. Jahrhunderte, ach, was sag ich Jahrtausende lang haben sich Menschen Gedanken über das Zusammenleben in der Gemeinschaft gemacht. Philosophen, Psychologen, Politogen, Soziologen, Wirtschaftswissenschaftler… aber letztlich gehört haben die Leute erst auf die Ergebnisse der Naturwissenschaftler. Erst als die Gehirnforscher bewiesen haben, dass die Brücken im Gehirn maßgeblich vom Benutzen gebildet werden, wurde den meisten klar, dass sich Menschen vor allem durch positive Rückmeldung, eigenes Denken und die Teilhabe an möglichst allen Geschehnissen um sie herum weiterentwickeln. …“

„Ja, vor allem Hüther mit seinen Babies …“ Er lächelte sie an und sie wurde verlegen.  Es war ihr nicht entgangen, dass seine Blicke die ganze Zeit auf ihrem Körper umherwanderten. Gleichzeitig fühlte sie dieses tolle Gefühl in sich aufsteigen, dass sich immer dann breitmacht, wenn man diesen Gleichklang mit dem Menschen gegenüber spürt. Und das Brennnesselmenü fing offensichtlich auch an zu wirken!

„Aber genug davon! Erzähl noch mal genau: wie willst du die Kühe dazu bringen, wenn sie frei sind, in deine `Wellness-Melkstation´ hineinzugehen?“

„Sie werden sie lieben!“ Er lächelte triumphierend. Ihm war nicht entgangen, dass sie ihn nur von ihr weglenken wollte. Das Kaminfeuer knisterte zärtlich. Eigentlich müsste man … !

„Zeig noch mal dein Kleid!“

Sie stand auf und während sie wieder anfing zu posen, erhob er sich ebenfalls. Er schob sie in Richtung Liegefläche. „Da ist das Licht besser!“  Raunte er mit diesem ganz eigenen Unterton. Sein Blick blieb nun wieder sinnend im Ausschnitt hängen und wanderte danach zu ihren Augen. Diese blauen Augen! Was ging da wohl vor?

Sie spürte, wie sich die Gegend um ihren G-Punkt bemerkbar machte. Also gut, er wollte also. Und sie wollte inzwischen auch – und wie sie wollte! Sie legte ihre Hand auf seine Hüfte und er spürte sein Verlangen stärker werden.

Er hatte sie. Endlich! Er zog sie an sich und flüsterte ihr leise ins Ohr:

„Hattest Recht! Es ist nicht der Große Wagen – aber irgendetwas an deinem Sommersprossenuniversum zieht mich magisch an! Am Ende ist es ein schwarzes Loch? Lass uns das mal näher untersuchen!“

Und sie fielen lachend in die Kissen …

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